South Shore, Nova Scotia

Deutsche Siedler

Wir treffen sie überall: Die Spuren deutscher Siedler. Auf unserer Reise durch Nordamerika fuhren wir an Berlin, Hamburg, Ulm, Heidelberg und Freiburg vorbei – alles Städte in den USA. Manchmal sendeten wir Fotos der Stadtnamen an die betreffenden Freunde zuhause.
Aber „Don‘t fress!“? Was war das? Das könnte deutsch sein. Oder Englisch?

South Shore Nova Scotia

Nachdem wir Wendy am Flughafen in Halifax ablieferten, gönnen Berni, Johnny und ich uns ein paar Tage Urlaub am Meer, bevor es an unsere Heimreise geht. Der Postbus muss geputzt werden und so einiges kann aussortiert werden. Aber wir wollen unsere lange Reise ruhig ausklingen lassen. Gemütlich fahren wir auf Nebenstraßen jede Bucht aus. Immer wieder laden kleine Fischerdörfchen wie Peggy‘s Cove zum Verweilen ein.

Lunenburg

Don‘t fress! Ich rätzle immer noch. Inzwischen sind wir in Lunenburg 90 km von Halifax entfernt angekommen. Lunenburg, das klingt nach deutschen Siedlern aus -Lüneburg-? Fast richtig.

1753 kamen 1453 Deutsche, Schweizer und Franzosen in die Region Halifax, um hier sesshaft zu werden. Die streng gläubigen Deutschen blieben unter sich und fingen an eine Siedlung zu gründen: das heutige Lunenburg – nur – kamen sie aus ganz verschiedenen Orten in Deutschland…! Wie konnten sie sich auf diesen Namen einigen? Gar nicht.

Es war Georg ll, König von England. Die Briten gründeten 1749, also erst 4 Jahre zuvor, Halifax und das Gebiet stand unter britischer Regierung. Ein englischer König wählt einen deutschen Namen? Wohl kaum.

Nun, dieser englische König stammt aus dem Hause Hannover. Er war der deutsche Kurfürst von Braunschweig-Lüneburg und Namensvetter für die einzige deutschsprachige Siedlung in Nova Scotia. Ach so. Klingt logisch.

Aus Lüneburg wurde im Laufe der Zeit -Lunenburg-. Aus „Fress nicht so“ wurde „Don‘t fress!“, aus „Rutsch nicht auf dem Stuhl hin und her“ wurde „Stop your rutchin‘ around!“ und so manches mehr…

UNESCO World Heritage Site

Die deutschen Siedler leisteten ganze Arbeit. Die Stadt wuchs und blühte. Geschäfts- und Herrenhäuser entstanden, die heute noch sehr gut erhalten sind. Fast könnte man von deutscher Wertarbeit sprechen… 1995 wurde die Altstadt von Lunenburg mit seiner ungewöhnlichen Holzarchitektur unter den UNESCO Schutz gestellt.

Möglicherweise passiert es uns auch. Nach so langer Zeit unterwegs im englisch sprechendem Raum. Und es kommen Sätze zustande wie „Ich geh mal schnell in die Bakery …“ oder „Wieviel Dollar kostet das?“. Wenn wir von Walmat sprechen, meinen wir natürlich demnächst -Aldi-. 
Habt bitte Geduld. Das legt sich wieder.