Polizeikontrollen, Manitoba

Filmreif

Berni und ich schauen uns an. Eine Polizeistreife hat uns gestoppt. Wir sind auf dem Highway 1, dem Trans- Canada-Highway unterwegs. Er durchquert den Kontinent von Osten nach Westen und andersrum. Über 6000 km führt er durch viele Bundesstaaten von Canada. Wir sind in Manitoba, dem Land der unendlichen Weite. Irgendwo im nirgendwo, so erscheint es uns. Bist du zu schnell gefahren?, frage ich ihn, obwohl ich die Antwort schon im Voraus kenne. Berni hält sich grundsätzlich an die vorgeschriebene Geschwindigkeit. Wir möchten keine Schwierigkeiten im Ausland.

Es tut sich nichts. Der Polizeiwagen steht mit Blaulicht hinter uns und scheint uns zu beobachten. Das ist unangenehm. Sollen wir mal hingehen?, frage ich ihn. Ja, vielleicht, antwortet Berni. Kaum öffnen wir die Autotür, brüllt uns ein: Back into your car !!! ( Zurück in euer Auto !!!), entgegen. Der Polizist ist in Stellung gegangen und zielt mit seiner Waffe auf uns (!). Ach du meine Güte! Das ist wie im Kino. Nur in echt! Nichts wie ins Auto und … abwarten.

Der Polizist sieht eigentlich ganz nett aus. Er trägt einen roten Vollbart und könnte aus Schottland kommen. Er verlangt Bernis Führerschein und die Autopapiere zu sehen. Soweit scheint alles in Ordnung. Aber, wo ist die Erlaubnis, dass wir das Fahrzeug fahren dürfen? Was? Reicht es nicht, dass wir die Besitzer sind? Nein. Wir müssten einen Stempel von der Grenzpolizei haben. Amerikanisch oder canadisch – das ist ihm egal. Haben wir aber nicht. Er verschwindet mit unseren Papieren in seinem Auto. Inzwischen ist ein zweiter Polizeiwagen hinzugekommen. Mein Herz klopft. Was, wenn wir nicht weiterfahren dürfen?

Sie kommen zu zweit zu uns. Die hinzugezogene Polizeibeamtin lächelt. Alles in Ordnung! Wir dürfen unsere Reise fortsetzen. Verblüfft starten wir unseren Postbus. Und da fällt mir plötzlich etwas ein. Der Grenzbeamte in Viktoria auf Vancouver Island fragte nach der Autozulassungsnummer. Unerwartet winkte er uns durch, da sein „stupid“ (dummes) Computersystem die deutsche Nummer sowieso nicht  lesen könne. Vermutlich hat der Polizist gerade eben dieselbe einleuchtende Antwort erhalten. Hoffentlich passiert uns das nicht noch öfter!

Klappe auf, die nächste Szene

Berni und ich schauen uns an. Wir sind immer noch auf dem Highway 1 in Monitoba unterwegs. Ein schwarzes Auto mit eingeschalteten Autosirenen hat uns gestoppt. Das gibt es doch nicht! Schon wieder?

Diesmal rühren wir uns nicht. Wir müssen nicht lange warten. Dieser Polizist trägt eine andere Uniform und eine Pistole kann ich auch nicht entdecken. Das ist schon einmal beruhigend. Ob wir das Zeichen an der Straße nicht gesehen hätten, fragt er uns. Welches Zeichen? Knapp 200 m hinter uns sehen wir ein Schild mit Booten. KeIne Ahnung, was das bedeutet. Berni deutet auf die Kayaks auf dem Dach des Postbusses: That are only Kayaks. No motorcraft boats! Das sei egal, erklärt uns der Officer, …und wenn wir ein Kinderschlauchboot in Dinoform auf dem Dach hätten!

Es geht um die Zebra Muscheln auch Wandermuschel genannt. Sie ist eine sehr konkurrenzstarke Art, die die Artenvielfalt der Gewässer zerstört. Sie durchlaufen ein Larvenstadium, das zudem die Grundwasserversorgung der Ortschaften bedroht. Die Larven heften sich an alles an, was schwimmt und werden so großflächig verteilt. Kurzum alle Boote, die in der Region Winnipeg auf den Gewässern unterwegs sind, müssen an solchen Stationen kontrolliert und gesäubert werden. Ansonsten wird eine Strafe von 612,00 $ fällig.

Ich reiße die Augen auf: 612,00 $? Habe ich das richtig verstanden? Yes! Wo wir denn hinwollten, fragt er uns. Nach Ontario, in den Nachbarstaat, das Land der 1000 Seen …, antworte ich ihm geknickt. Hm, da will er Gnade vor Recht walten lassen, solange wir nicht in Manitoba paddeln… Er schreibt uns eine (kostenlose) Verwarnung aus. Erleichert starten wir unseren Postbus.

Offenes Ende

Berni und ich schauen uns an. Wir sind noch lange auf dem Trans-Canada-Hwy unterwegs. Über 3000 km liegen noch vor uns. Was wird noch kommen? Wie gesagt, wir möchten keine Schwierigkeiten im Ausland …