Caye Caulker- Vorsicht Tarpun, Belize

„Mach doch noch einen Film mit der Unterwasserkamera …!“, fordere ich Berni begeistert auf. Berni und ich stehen auf einem hölzernen Bootssteg auf der Insel Caye Caulker. Von hier oben können Touristen Tarpune im Wasser bestaunen. Das sind große silberne Fische, die zwischen 1,5 m bis 2,5 m lang werden können. Ihre überraschend großen Augen schauen uns interessiert an. Sie erwarten, gefüttert zu werden. Der Unterkiefer der Großfische steht, anders als bei einem Hai, vor dem Oberkiefer, das gibt ihnen ein etwas trotziges Aussehen. Nein, gefährlich sehen sie nicht aus, trotz der imposanten Länge. Berni bückt sich. Die Fische kommen rasch näher. „Du musst die Kamera unter Wasser halten!“, weise ich ihn zurecht, „Sonst meinen sie, sie ist etwas zu fressen.“ Tapfer hält mein Mann die Kamera ins Wasser. Und tatsächlich beruhigt sich der Schwarm aus acht bis zehn Fischen. Doch plötzlich kommt Bewegung in die Gruppe.

Caye Caulker 

Die kleine Koralleninsel liegt etwa 35 km nordöstlich von Belize City im Karibischen Meer. Sie ist acht Kilometer lang und nur zwei Kilometer breit. Neben ihrer Inselschwester San Pedro gilt sie als die Ruhigere. Ihre 1300 Einwohner leben vom Tourismus und vom Fischfang. Im Jahr 1961 teilte Hurrikan Hattie die Insel Caye Caulker in zwei Hälften. Der nördliche Teil wurde unter Schutz gestellt. Die Marine Reserve besteht überwiegend aus Mangroven und Kokospalmen. Sie eignet sich hervorragend, um Vögel zu beobachten.


Im The Splitt, also im Graben, befindet sich heute der öffentliche Strand und die Partymeile der Insel. Wer von Liegestühlen und Cocktails am Beach träumt, ist hier richtig.

No Shirt, No Shoes … No Problem.

Wir kommen vom Fähranleger San Pedro aus Belize City und eines fällt sofort auf: Das Leben auf der Insel scheint unkompliziert und locker zu sein. Frei nach dem Motto: Warum Kleidungsstücke anziehen, wenn es ein Bikini auch tut? Mann läuft gerne barfuß, das geht gut, denn es gibt keine geteerten Straßen auf der Insel. Caye Caulker ist autofrei, aber auf Komfort möchte niemand verzichten. Daher boomt das Geschäft mit der Vermietung von Golf-Carts und Fahrrädern. Das einzige Verkehrsschild der Insel lautet Go Slow (Geh langsam). Es scheint auch die Lebenseinstellung der Insulaner zu sein. Bunt, fröhlich und leicht wirkt die Stadt, das steckt an! Die Straßen sind gesäumt von Hotels, Gästehäusern, Restaurants, Cafés, Bars und Tourenanbietern.

No Money … Big Problem!

Nur für den kleinen Geldbeutel ist nichts dabei. Das muss man wissen: Ein Ausflug zu den Inseln Caye Caulker oder San Pedro wird auf jeden Fall teuer. Abgesehen von der Unterkunft schlagen Schnorchel- oder Tauchtouren (derzeit 500 US $/ pp) kräftig auf das Budget. Denn östlich von Caye Caulker verläuft die Riffkante des Belize Barrier Reef. Es ist das längste Barriereriff in der nördlichen Hemisphäre und weltweit das zweitgrößte Riffsystem.

Stingray Viewing

Zwischen Relaxen in einer Hängematte, Schwimmen im Meer und im Restaurant Loobster essen bietet Caye Caulker kleine Highlights an. Ab 16:00 Uhr werden auf der Westseite der Insel im Bereich des Resorts Jaguar Reef Stachelrochen (Stingray) gefüttert. Sie finden sich pünktlich am Strand ein. Die urigen Tiere erreichen einen Durchmesser von nahezu einem Meter. Wie Geister gleiten sie über den hellen Meeresstrand.

Die Fütterung der Tarpune

Unsere Tarpune haben indessen den ganzen Tag Hunger. Ein amerikanisches Paar kauft an dem Verkaufsstand hinter unserem Rücken Fischfutter. Der Amerikaner klemmt einen silbernen kleinen Fisch zwischen Mittel- und Ringfinger und streckt die Finger lang aus. Das ist wichtig. Denn, was wir nun sehen, lässt Berni reflexartig seine Hand nebst Kamera aus dem Wasser fahren. Ein 1,5 Meterlanger Fisch schraubt sich die Höhe, reißt sein riesiges Maul auf und schnappt sich den Leckerbissen. Wären die Finger nicht ausgestreckt, könnte der Riese versehentlich den Arm mit verschlingen. Wie gesagt, ein Tarpun ist kein Hai, aber wer möchte schon mit seinen Arm in einem Fischmagen stecken?

„Oh, my God!“, ruft der Amerikaner erschrocken und schaut verblüfft auf seine leere Hand. Dann lacht er und winkt seiner Partnerin. Es sind noch vier weitere Fische zum Verfüttern bereit. Sie zögert. Es ist eine Mutprobe, ohne Frage.