„Da unten sind zwei Koyoten!“, Berni zeigt auf den staubigen Weg unterhalb von uns. Ich sehe nichts. „Wo?“, frage ich und scanne mit den Augen den Pfad ab. Wir befinden uns in einem Wandergebiet am südlichen Ende der Baja California, im Hinterland des Naturschutzgebietes Cabo Pulmo.
Ein windiges Eck
„Is it always so windy?“, frage ich das kanadische Pärchen, das mit ihrem Wohnmobil jedes Jahr drei Monate an einem Strand im Naturschutzgebiet Cabo Pulmo verbringt. „No!“, wendet die Frau ein, „Wir können manchmal mit dem Kajak Wale beobachten!“. Ich kann es fast nicht glauben. Gestern flogen in Los Barillos die Skyter quasi in den Himmel. Und als wir vor drei Jahren das Gebiet bereisten, zeigte sich uns ein ähnliches Bild.
Das Cabo Pulmo
Das Naturreservat umfasst 71,11 km² und mehrere Strände. Es ist vor allem wegen seiner reichen Unterwasserwelt geschützt. Ein Riff liegt vor seiner Küste mit wunderbaren Schnorchel- und Tauchmöglichkeiten. Beides blieb uns bisher verwehrt. Wir versuchen unser Glück beim Playa Abolito. Laut Insiderberichten soll er der schönste Strandabschnitt sein. Doch auch dieses Jahr steigen nur wenige Menschen mit dicken Taucheranzügen ins kühle Nass! An Schnorcheln ist aufgrund des Seeganges nicht zu denken. Durch den Wind ist es zudem empfindlich kühl.
Der Playa Abolito
Doch der Playa Abolito bietet noch andere Freizeitmöglichkeiten: zum Beispiel eine Beach-Wanderung. Der Wind zersetzt die Steilküste und formt unglaubliche Strukturen. Es gibt vieles zu entdecken!
Oder eine Klippenwanderung. Was von der unteren Perspektive betrachtet wurde, sieht von oben ganz anders aus.
Das Wandergebiet am Rand des Ortes Cabo Pulmo
Die Küste sieht aus wie in einem Märchenland und die Unterwasserwelt eröffnet ebenfalls neue Welten. Das erkannten als erste die Amerikaner und Kanadier. Sie bauten im einstigen Fischerdorf Carbo Pulmo ihre Feriendomizile und Apartments. Da alles unter Naturschutz steht, sind die Anlagen eher familiär. Inzwischen erstreckt sich der Ort schon in die Hügel der angrenzenden Wüste. Und was machen die Ausländer als Erstes? Sie ordnen und sortieren die Wüste! Es gibt ein Netz an Wanderwegen, das sich aber nur jemandem erschließt, der mit GPS unterwegs ist. Viele Wege lassen sich nicht mehr von einem Viehweg unterscheiden, denn die Rindviecher laufen kreuz und quer! Wir wandern den Falling-Rocks-Weg und zum Pergola-Aussichtspunkt (entsprechend der Organic-App).
Vom Wind geformt
An der windzugewandten Seite wachsen alte Bäume im Bonsai-Format. Während in Flussnähe die Pflanzen ein höheres Wachstum aufweisen. Der Boden ist knochentrocken und steinig.
„In dem Moment, in dem ich mich bewegte, sind die Koyoten im ausgetrockneten Flussbett verschwunden! Schade, ich hätte sie gerne fotografiert!“ Berni zuckt resigniert mit den Schultern.
Und während mein Mann weiter nach Tieren Ausschau hält, finde ich Fabelwesen. Direkt vor meinen Füßen. Diese laufen nicht weg!