Mit der TMC-Fähre auf die Baja, Mazatlán, Mexiko

Vor drei Jahren befanden wir uns in einer ähnlichen Situation: Wir möchten mit der TMC-Fähre auf die Baja California! Die Umstände damals waren chaotisch. Diesmal wollen wir es besser machen! Wir lernen schließlich aus unseren Fehlern!

Eine Reservierung für die TMC-Fähre

Es gibt einige Fähren auf die Baja California, aber nur eine einzige, bei der die Insassen eines Campers in ihrem Fahrzeug verbleiben dürfen. Zumindest auf dem Oberdeck. Warum ist das so wichtig? Weil die Überfahrt in der Regel über 24 Stunden dauert. Und wer will nicht die Nacht im eigenen Bett verbringen, statt in einem Sessel? Meist läuft noch bis Mitternacht ein Fernseher. Dieses Entgegenkommen ist nur auf der TMC-Fähre möglich, weil sie im Prinzip eine Lastwagenfähre ist.
Ein Stolperstein für die Nutzung der TMC-Fähre ist eine zwingende Reservierung. Die erhält man im Zeitalter des Internets nur telefonisch. Für Einheimische ist das kein Problem, für Touristen sehr wohl. Ich kann etwas Spanisch sprechen, aber am Telefon versage ich! Kurz: Mir fehlen der persönliche Augenkontakt, die Mimik und die Gestik. Diesmal beauftragten wir unseren mexikanischen Freund Hector, für uns eine Reservierung vorzunehmen.

Eine gute Vorbereitung ist alles!

In der Stadt Tequila trafen wir ein Schweizer Ehepaar, das gerade von der Baja mit der TMC-Fähre kam. Wir befragten sie genau nach dem Prozedere. Unsere Befürchtung ist immer, getrennt zu werden. Seit wir einen Starlink für das Internet benutzen, investieren wir nur noch in eine mexikanische SIM-Karte. Das heißt, dass der Weg zueinander schwer werden kann. Berni und ich besitzen diesbezüglich ein besonderes Talent, immer dann an der vereinbarten Stelle zu sein, wenn der andere gerade nicht da ist! Sie versicherten uns, dass sie nicht getrennt wurden! Das hört sich gut an! Allerdings sollten wir darauf achten, auf das Oberdeck zu kommen. Letztlich entscheidet der Fahrzeugeinweiser vor Ort. Da man nie sicher sein kann, ob alles wirklich so klappt, versuche ich, Berni das spanische Wort „arriba“ für „oben“ beizubringen. Mit einer entsprechenden Handbewegung sollte es für den Notfall klappen. Leider kann Berni sich das Wort partout nicht merken! „Wie Haribo ohne H und mit A!“, rolle ich entnervt mit den Augen! Alles klar!!! Berni strahlt.

Von Mazatlán nach La Paz

Die Fähre soll um 17:00 Uhr in Mazatlán starten. Wir sind bereits gegen 13:00 Uhr vor Ort. Zuerst wird der Wagen vermessen und gewogen. Dann geht es ins TMC-Büro. Dank der Reservierung gibt es keinerlei Probleme. Die nette Dame hinter dem Schalter reicht uns das Ticket. „Ihre Frau muss ab 15:15 Uhr in dem Bereich für die Passagiere warten. Sie fahren mit dem Fahrzeug durch die Kontrolle und dann auf das Schiff.“ Wie war das? Vielleicht habe ich mich verhört? Nein, es bleibt dabei. Ein letztes Mal: „Wie heißt oben?“ Berni antwortet: „Haribo – ähm arriba!“ Und weg ist er!

 Auf Beobachtungsstation

Der Wartebereich der Passagiere befindet sich direkt am Kai. Vor mir türmt sich die gewaltige TMC-Fähre auf. Ich sehe eine Unmenge Lastwagen auf dem Platz davor. Allerdings kein gelber Postbus. Die Beladung der Fahrzeuge beginnt. LKW um LKW rollt an und verschwindet aus meinem Gesichtsfeld. Inzwischen hat sich die Passagieranzahl auf fünf erhöht. Es wird 17:00 Uhr. Wir warten. Ich habe das Ticket schon hundertmal überprüft und den Wartebereich ebenfalls. Gegen sechs Uhr erbarmt sich ein Offizier, unsere Tickets zu kontrollieren. Wir dürfen ein paar Meter weiterrücken. Inzwischen stehen wir vor dem riesigen Schlund der TMC-Fähre. Das zeigt ein Mexikaner mit dem Finger nach oben und lacht: Berni steht an Deck und winkt sich die Finger wund!

Der beste Platz?

Die Passagiere betreten so ziemlich als Letzte das Schiff. Es wäre in dem Durcheinander des Rangierens zu gefährlich. Berni eilt mir glücklich entgegen: „Ich habe dich die ganze Zeit gesehen!“ Mir wiederum muss der gelbe Postbus entgangen sein …! Berni hat es geschafft, dass wir im Oberdeck parken. Der Postbus ist zwischen den LKWs nicht zu sehen. „Ich glaube, das ist ein Superplatz!“, strahlt er. „Da können wir gut schlafen!“ In diesem Glauben wiegen wir uns, bis die TMC-Fähre gegen 19:30 Uhr endlich ablegt. Dann nämlich startet der Schiffsmotor: Wir stehen praktisch nebenan! 

Kost & Logie

Im Preis inbegriffen sind ein Abendessen und ein Frühstück. Der Comedor ist eine kleine Küche und ein Raum mit ein paar Tischen. Im Hintergrund lärmt ein riesiger Fernseher. Auf dem Programm steht ein brutaler Science-Fiction-Film. Er wird mich noch einige Nächte in meinen Träumen verfolgen. Das Abendessen besteht heute aus einem reichhaltigen Eintopf mit Tacos. Er ist, ich muss es zugeben, nicht schlecht! Allerdings ist der hektische Ton des Fernsehers nicht zu ertragen. Wir flüchten mit unseren Tellern an die frische Luft.

Eine erstaunliche Nacht

Berni und ich bewaffnen uns mit Ohrenstöpseln und legen uns seufzend ins Bett. Das Motorengeräusch ist ohrenbetäubend, aber gleichmäßig. Um sieben Uhr am Morgen wache ich erschreckt auf, da ich blauen Himmel entdecken kann. Haben wir etwa verschlafen? Und im nächsten Augenblick dämmert es mir: Wir haben tatsächlich geschlafen!!!

Der lange Weg durch das Hafengelände

Wer glaubt, dass das Prozedere vom Festland auf die Baja California einfach wird, weil beides in Mexiko liegt, der irrt. Nachdem wir vom Schiff rollen, müssen wir durch den Zoll. Anschließend wird unser Postbus vom Militär untersucht. Ein Belgischer Schäferhund durchschnüffelt unseren Bus. Der Hund ist hochkonzentriert, kann aber beim besten Willen nichts finden. Dann folgt Hund Nummer zwei: Ein Deutscher Schäferhund. Auch er bleibt erfolglos. Alles wird von einem weiteren Militär gefilmt. Ob wir zu Übungszwecken kontrolliert werden? Wir erhalten eine schriftliche Bestätigung und werden zur Wagen-Desinfektion geschleust. Dieser Angestellte nimmt seinen Job locker und schwenkt mehr pro forma die Sprühflasche. Am Ausgang erfolgt die letzte Kontrolle, die allerdings nur aus der Beantwortung der Fragen besteht: Wer wir sind, Nationalität und wohin.  Endlich rollen wir vom Hafengelände. 

Die TMC-Fähre ist eine gute Wahl

Wir haben uns eine Pause verdient! Während wir am Playa Tecolote die nächsten Tage Sonne und Strand genießen, lassen wir das Erlebte Revue passieren. Und ja, wir werden auf dem Rückweg wieder die TMC-Fähre buchen. Es geht doch nichts über sein eigenes Bett, selbst neben den Schiffsmotoren!