„We’re getting grilled here!“, sage ich auf Englisch zu der Kanadierin neben mir auf der Steinbank. Sie fächelt sich Luft zu und rollt mit den Augen: „WE are the barbecue!“. Bei der Vorstellung muss ich lachen. Der Schweiß rinnt mir den Rücken entlang und mein Gesicht glänzt. Die Haut schreit: Raus aus der Sonne! Aber von den berühmten Clavadistas ist nichts zu sehen.
Den perfekten Blick auf die Clavadistas
Eine Handvoll Touristen und wir warten seit 12:30 Uhr auf der unteren Plattform auf die Vorstellung der Clavadistas (Felsenspringer). Von dort kann man deren akrobatischen Flug perfekt fotografisch festhalten. Die Show existiert bereits seit 1934 zur Freude der Touristen. Um 13:00 Uhr und dann erst wieder ab 17:00 Uhr finden Vorführungen statt.
Das Restaurant La Perla im Hotelkomplex El Mirador bietet einen wundervollen Blick auf die Szene. Etliche Filmgrößen und Berühmtheiten verkehrten hier, wie deren Bildergalerie bezeugt. Aber Berni wollte den perfekten Blickwinkel: die untere Plattform. Wehmütig blicke ich zum Restaurant hinauf. Dort säßen wir im Schatten.
Acapulco
Die Stadt begrüßte uns heute Morgen mit einem Verkehrschaos. Wir wollten vor der Vorstellung der Clavadistas im Stadtviertel La Quebrada bei einer Santander Bank Geld abheben. Sie liegt neben dem Mercado Central, und Berni liebäugelte mit dem Gedanken, auf dem Markt etwas „schnappen zu gehen“ (Essen gehen). Wir hätten es besser wissen müssen! Nachdem erst vor ein paar Tagen der Drogenboss El Mencho erschossen wurde, wimmelte es nur so vor Polizei und Militär. An Parken war nicht zu denken, auch nicht vor der Santander-Bank. Die Straßen um den Markt waren allesamt verstopft. In den Gassen herrschte eine Gluthitze, im Postbus Saunahitze.
Die Vorbereitung der Show
In der Felsenbucht unter uns regt sich etwas. Zwei Mexikaner in Badehosen begutachten das Meer. Wir ebenfalls! Es lädt nicht gerade zum Schwimmen ein. In der kleinen Felsenbucht sammelt sich Müll. Doch die beiden sind den Zustand gewohnt und fischen ihn grob mit einem Netz heraus. Vielleicht könnte es gefährlich werden, wenn man mit dem Gesicht voran auf eine Glasflasche trifft? Von irgendwoher tauchen zwei weitere Männer in Badehosen auf. Dann wird es spannend. Während die vier mühsam den Felsen erklimmen, erscheint ein Fünfter an der Spitze des Felsens. Es gibt offenbar noch andere Wege. Gehört das auch zur Show?
Gut Ding will Weile haben.
Sicherlich, denn an ihrer Sprungposition liefern sie uns ebenfalls Unterhaltung. Ein Springer zieht den Gruß eines Gladiators vor, der nächste imitiert Tarzan. Das Publikum applaudiert aufmunternd: Auf zum Sprung! Aber so schnell geht es nicht! Da muss auf die richtige Welle gewartet werden. Der Sprung wird so berechnet, dass bei Niedergang gesprungen wird. Der Springer taucht dann in die nächste hohe Welle ein. Das dauert. Derweil warten wir in der Glut der Sonne auf den spannenden Moment. Die Fotos und Handys sind gezückt und das Handgelenk tut schon weh.
Die Kunst des Springens
Und plötzlich geht es los. Die Clavaditas stürzen sich nacheinander vom Felsen. Die Athleten müssen mehrere Meter waagrecht springen, um die Felswand nicht zu berühren. Das sieht aus, als würden sie fliegen. Es ist eine Kulisse wie in einem Hollywoodfilm – nur in echt!
Jetzt ist unser fünfter Mann an der Reihe. Er ist die Hauptattraktion. Nachdem er sich den Segen der kleinen Madonnenstatue abgeholt und das Meer aufmerksam beobachtet hat, setzt er zum Sprung an: ein Rückwärtssalto! „Muy bien“, kann ich da nur sagen!
Keine fünf Minuten später sind die Clavadistas auf der unteren Plattform. Gerade noch rechtzeitig, bevor die Touristen aus der Hitze entfliehen können. Die Helden bitten um ein Trinkgeld und bieten im Gegenzug Fotos von ihnen an. Schließlich kann man von Ruhm und Ehre nicht leben. Wir geben eine „ propina“ und flüchten vor der unbarmherzigen Sonne Acapulcos!