Die Carretera El Arco, Baja California, Mexiko

Es ist still. Unglaublich still. Kein Autolärm, keine Menschen, keine lauten Tiere. Nichts. Meine Ohren versuchen, etwas zu erfassen, aber da ist nichts. Wir sind auf der Carretera El Arco und mitten in der Wüste. 

Die Carretera El Arco

Die Straßenverbindung von Guerrero Negro nach Los Angeles ist berüchtigt. Sie ist bei Google Maps nicht verzeichnet und das hat seinen Grund: Sie ist etwa 217 Kilometer lang, unbefestigt und in einem desolaten Zustand. Die Kommentare in der iOverlander-App lesen sich besorgniserregend. Aber sie soll eine der schönsten Pisten auf der Baja California sein!

Die Carmen Cave

Im ersten Drittel der Strecke befindet sich die Carmen Cave. Wir besichtigten die Höhle schon vor drei Jahren. Sie ist so beeindruckend, dass ich sie noch einmal erleben wollte. Zu ihren Füßen erstreckt sich ein riesiges urzeitliches Wasserbecken. Heute ist es ein Kakteengarten, der jeden Botanischen Garten in den Schatten stellt.

Vor drei Jahren kehrten wir an dieser Stelle um.
Zu Bernis Freude wurde die Carretera El Arco vor nicht allzu langer Zeit mit einer Planierraupe/einem Straßenhobel bearbeitet. Sie ist eben und breit, allerdings mit Waschbrettfeeling! Der Postbus knattert und unsere Küchenutensilien scheppern. Wir fahren mit maximal dreißig Stundenkilometern.

Die Rancho Piedra Blanca

Wir beschließen, bis zur Rancho Piedra Blanco (70 Kilometer vom Beginn der Carretera El Arco) zu fahren. Bestimmt kann man uns dort über den weiteren Zustand der Piste aufklären. Unser Postbus hat keinen Allrad-Antrieb. Ein Liegenbleiben wäre in dieser Landschaft ungünstig. Mit viel Glück kommt einmal am Tag ein Auto vorbei.
Der sympathische Angestellte kann uns lediglich versichern, dass der Zustand bis zur nächsten Ranch (103 Kilometer vom Beginn) so bleibt. Es ist früher Nachmittag, wir versuchen unser Glück.

Die Rancho Escondido

Die Rancho Escondido ist ein Arbeitsbetrieb (Bauernhof), der verschiedene Übernachtungsmöglichkeiten mit einem Restaurant anbietet. Das Gelände ist riesig. Und so haben wir sofort Mitleid mit dem Angestellten, der uns versichert: „Ich bin im Moment alleine hier …“ Er schaut sich unseren Postbus an: „Die Carretera El Arco wird ab hier schlechter.“ Er schaut Berni an: „Wenn ihr langsam und mit offenen Augen fahrt, ist es zu schaffen …“ Mein Mann strahlt. Heute allerdings nicht mehr, wir übernachten auf der Rancho Escondido.

Die Baja-Wüste

Die Wüste entlang der Carretera El Arco verändert sich mit jeder Kurve. Wo eben noch der Boojum-Baum (Cirios), Säulenkakteen, Agaven und dornige Büsche wachsen, gibt es Stellen mit völliger Kargheit. Mächtige Berge erheben sich im Hintergrund. Sie leuchten in zartrosa bis schwarz. Mal erscheinen Hügel aus Steinen wie mit einer riesigen Planierraupe zusammengeschoben, ein anderes Mal hätte Obelix mit seinen Hinkelsteinen seine wahre Freude. Das helle Sandbett von ausgetrockneten Flüsse und Bächen leuchtet wie verschlungene Wege. Auch der Untergrund der Piste ändert sich von grobem Kies, über große Steine zu Sand.

Befahrbar oder lieber nicht?

Die Piste von Guerrero Negro nach Los Angeles ist Stand 2025 mit einem Postbus zu befahren. Er hat allerdings einen höheren Radabstand. Und wir muteten ihm einiges zu. Es gibt keine Internetverbindung unterwegs, für den Fall eines Liegenbleibens. Und man braucht Zeit. Die Geschwindigkeit beträgt 5–20 Stundenkilometer. Übernachten kann man in der Wüste, vorausgesetzt man hat genügend Wasser dabei. Aber dann ist es ein Erlebnis, das wir nicht missen möchten!

Man sagt, wer in die Wüste geht, kommt verändert zurück. Ich kann es verstehen.