Das Weberdorf Teotitlán del Valle, Oaxaca, Mexiko

„Sie kann sich nicht entscheiden und muss erst einen Kaffee trinken!“, sage ich auf Spanisch zu der alten Mexikanerin. Es entspricht der Wahrheit. Seit Stunden besichtigen wir mit Elli, Bernis Schwester, in Teotitlán del Valle einen Weberladen nach dem anderen. Elli möchte einen Wandteppich als Andenken an ihre Mexikoreise kaufen. Aber zuerst muss das gesamte Angebot vom Weberdorf Teotitlán überprüft werden. Das mexikanische Mütterchen lacht, weiß aber genau, dass das Geschäft verloren ist. „Wir kommen wieder“, verspricht Elli auf Deutsch.

Das Weberdorf Teotitlán del Valle

Teotitlán liegt 24 Kilometer südöstlich von Oaxaca und ist bekannt für seine kunstvollen, handgewebten Webarbeiten. Hier wird seit über 2500 Jahren hundertprozentige Schafwolle zu Teppichen, Taschen, Tischdecken und vielem mehr verarbeitet. Das Dörfchen liegt malerisch in den trockenen Bergen von Oaxaca. Es ist Montag und wenige Touristen sind unterwegs. Leider. Denn so genießen wir die volle Aufmerksamkeit der Verkäufer, die natürlich alle etwas verkaufen möchten. Wir starten am Zócalo. Vorsorglich informiere ich jeden Ladeninhaber, dass wir erst alles gesehen haben müssen, bevor wir uns entscheiden. Es hilft nur wenig.

Alles Natur und Handarbeit im Weberdorf Teotitlán del Valle 

Eine Verkäuferin erklärt mir die Naturmaterialien, mit denen die Wolle eingefärbt wird: Cochineal-Larven (Insekten, die auf Kakteen leben), Granatapfelschalen, Walnussschalen, Indigo oder Zapote negro. Meine Hand dient als Mischteller. Die Farben verändern sich unter Zugabe von Limetten und erhalten eine tolle Leuchtkraft.
Nach der Demonstration blicke ich mich suchend nach einem Waschbecken um. „Das hält ein Jahr!“, scherzt die Verkäuferin. Ich lache. Aber als ich die Hände wasche, behalte ich einen Abdruck, der tatsächlich bis zum nächsten Tag zu sehen ist. In vielen Betrieben stehen die Webstühle im Hintergrund. Wir können den Webern bei der Arbeit zusehen.

Der Comedor

Inzwischen ist es vierzehn Uhr. Wir brauchen eine Stärkung, bevor die Suche weitergeht. Am Ortsrand entdecken wir einen Comedor (ein Restaurant für Mittagessen). Wir bestellen Tacos und Quesadillos. Während wir auf unser Essen warten, fahren drei Polizeiautos vor. Etwa fünfzehn Polizisten nutzen den Comedor als Mittagspause. Dann muss das Essen gut sein! Sie grüßen uns freundlich, schieben Tische zusammen und platzieren sich unweit von uns. Ihre Blicke schielen unauffällig zu uns. Echte blonde Frauen gibt es nicht viele Mexiko. Sie sind neugierig. Zum Schluss gibt es noch ein Foto!

Gut Ding will Weile haben

„Ich glaube, die Wandteppiche bei dem Mütterchen waren doch die besten …!“, überlegt Elli. „Berni, weißt du noch, wo der Laden war?“. Sicher! Die alte Mexikanerin steht an der Tür, als wir mit dem Postbus vorfahren. Sie erkennt uns sofort. Unsere Auswahlteppiche liegen noch auf dem Boden. Hat sie auf uns gewartet? Nur leider kann sich Elli noch immer nicht entscheiden! Das Mütterchen hat Verständnis und schiebt uns eine Holzbank vor die Auswahl: Das kann dauern! Letztendlich kauft Elli zwei Modelle. Alle sind zufrieden. Beim Herausgehen drückt mir die Mexikanerin die Hand: „Danke, danke für die Rückkehr!“