„Ich bekomme so langsam Hunger …“, sagt Berni „Gehen wir raus?“ Ich räkele mich genüsslich im heißen Thermalbad. Auch mein Magen meldet sich. Aber will ich das herrliche Wasser wirklich verlassen? Eher nein … !
Balnerario El Mirador
Wir befinden uns im Balneario El Mirador im Bundesstaat Michoacan. Es ist unser Favorit unter den Thermalbädern in Mexiko. Das hat einen bestimmten Grund: Jeden Abend werden die Becken geleert und mit frischem, leicht schwefeligem Wasser gefüllt. In unser Lieblingsbecken können wir erst ab 13:00 Uhr steigen, sonst verbrennt man sich. Der Weg von der Quelle ist nicht weit. Wir sehen sie in ein paar Metern Entfernung dampfen.
Das ganze Bad macht einen außerordentlich gepflegten Eindruck. Das ist eher selten in Mexiko, bzw. nur im oberen Preissegment zu finden. Wir bezahlten dieses Mal (2025) umgerechnet 10 € pro Person für den Eintritt und die Übernachtung in unserem Postbus.
Ein Thermalbad der Extraklasse
Es gibt ein großes Becken für Kinder mit diversen Attraktionen und zwei separate Riesenrutschen. Dann mehrere Becken unterschiedlicher Temperaturen für Rheumakranke oder Genießer wie uns. Ein Dampfbad in einem Lehmhügel rundet das Angebot ab. Massagen können für ein Extrageld dazugebucht werden.
Die Aussicht von den Becken auf die Ebene ist herrlich. Vor uns breitet sich die Laguna de Cuitzeo aus, im Hintergrund erheben sich schroffe Berge.
Der zweite Aspekt sind die sauberen Toiletten und Duschen. Aus den Duschen sprudelt leider leicht schwefeliges Thermalwasser. Aber das ist gesund, oder etwa nicht?
Ein Thermalbad im Kreuz der Straßen
Das einzige Manko ist die Lage. Dieses Kleinod befindet sich umringt von Straßen. Über uns donnern LKWs auf einer Autobahn. Unter uns befindet sich eine wichtige Zubringerstraße. Ich würde sagen, der Platz ist verkehrstechnisch geschickt ausgenutzt. Das letzte Mal gab es eine Baustelle, sodass die LKWs mit ratternder Bremse vor dem Bad hielten, um anschließend wieder anzufahren. Wir steuerten das Thermalbad mit gemischten Gefühlen an.
Berni erhebt sich. Wer meinen Mann kennt, weiß, dass langsam gleichzusetzen ist mit jetzt. Ich seufze. Um die Becken gruppieren sich etliche Tische mit Sonnenschirmen. Die Mexikaner lieben Picknicks und dies ist ganz offensichtlich hier erlaubt. Wir schlängeln uns durch die Tische. Unvermittelt taucht ein belegtes Taco vor meinem Gesicht auf.
Die Gastfreundschaft in Mexiko
Eine Mexikanerin strahlt mich an. „Möchten Sie probieren?“, fragt sie mich auf Spanisch. Ich wechsele einen kurzen Blick mit Berni. Er hat Hunger und es wird dauern, bis wir gekocht haben. Warum also nicht? Ich nicke. Flugs bekommen wir zwei Stühle an ihrem Tisch angeboten. „Alle Zutaten sind selbstgemacht!“, versichert sie uns. Da wären der Salat mit Kraut, Zwiebeln und Tomaten (er wird in die Tacos gefüllt) sowie eine pikante Soße, gekochte Cayote (eine Art milder Kohlrabi), selbstgebackenes Brot und kalter, süßer Jamaicatee. In einer weiteren Schüssel befindet sich Hühnchenfleisch. Diverse Beilagen wie Avocados, Limetten und Stücke einer Wassermelone landen auf unseren Tellern. Selbstredend dürfen wir nicht nur probieren. Das wäre unhöflich. Kaum ist unser Teller leer, wird er eifrig gefüllt.
Europa in drei Wochen
Die kleine Gruppe besteht aus einer mexikanischen Krankenschwester, ihrer Oma, der Tante und dem Onkel. Die 47-jährige Frau ist reiselustig. Sie zeigt uns stolz Bilder ihrer Europarundreise: In drei Wochen nach Paris, Verona, Rom, München, Wien, an den Gardasee, nach Bratislava und etliche Ziele mehr. Ich bin beeindruckt und danke im Stillen dem lieben Gott, dass wir mehr Zeit zum Reisen haben.
Übernachten im Thermalbad
So ein Tag im Thermalbad macht müde, wir gehen zeitig ins Bett. Und was soll ich sagen? Die Baustelle scheint beendet. Es ist kein Knattern mehr zu hören. Den Autobahnlärm nehmen wir nicht mehr wahr.