Das Stoppschild und der Polizist, BC, Mexiko

„Der Polizist sagt, du hättest ein Stoppschild überfahren, stimmt das?“, frage ich Berni mit hochgezogenen Augenbrauen. „Ja, klar!“, antwortet mein Mann in seiner ganz eigenen jugendlichen Leichtigkeit und lächelt offen. Ich seufze. Es hat irgendwann so kommen müssen! Berni fährt in Mexiko wie … ein Mexikaner. Verkehrsregeln sind Empfehlungen, mehr nicht! Wir wurden soeben von der Polizei gestoppt. Zu Recht, wie sich nun herausstellt. 

Polizeikontrollen in Deutschland

Auf unserer Reise werden wir immer wieder gefragt, ob wir auch so oft von der Polizei angehalten werden. Und immer sage ich: Nein! Aber stimmt das wirklich? 
In Deutschland wurde ich im Laufe meiner inzwischen fast dreißigjährigen Fahrpraxis nur einmal von der Polizei kontrolliert. Damals ging es um das Warndreieck, das in jedem Auto sein muss. Verglichen mit Deutschland werden wir in Mexiko deutlich mehr kontrolliert.

Polizeikontrollen in Mexiko

Ich würde den Vorgang aber in den meisten Fällen nicht kontrollieren nennen. Also nicht speziell uns. In Mexiko gibt es oft zwischen den Bundesländern Kontrollstationen. Meistens geht es um Waren, deren Papiere kontrolliert werden. Ob nach Drogen gesucht wird, konnten wir nie beobachten. Wir stehen in der Schlange an. Und werden lediglich gefragt, wohin wir wollen. Berni gibt sich sofort als Deutscher zu erkennen. Die Deutschen sind sympathisch. Vielleicht ist es auch unser Postbus. Auf alle Fälle werden wir immer freundlich durchgewinkt. Auf offener Strecke angehalten wurden wir noch nie. Bis heute.

Auf ins Kommissariat! 

Der Polizist möchte den Führerschein sehen. Ich stutze. Was, wenn er ihn nun behält und wir ihn in der Polizeistation auslösen müssen? Man hört so manche unschöne Dinge. Leider besitzen wir keine täuschend echte Kopie …! Also reicht ihm Berni das Original. Er dreht und wendet ihn in seiner Hand: „Sieht anders aus als in Mexiko.“, bemerkt er. Wir zucken mit den Achseln und lächeln freundlich. „Aus Deutschland …“, bestätigt er. „Nun, Sie müssen zu der Polizeistation im letzten Ort fahren und die Strafe bezahlen!“

Ohne Internet geht nichts.

 „Können wir hinter Ihnen herfahren?“, versuche ich auf Spanisch zu sagen. Mein DeepL-Übersetzer versagt, weil wir keinen Empfang haben. Unser Polizist ersucht Google Translate um Hilfe. Nachdem er den Text in sein Handy eingegeben hatte, stellte auch er fest, keinen Empfang zu haben. „No Internet!“, sagt er bedauernd. „No Internet!“, antworte ich und schwenke mein Handy.
Wir schauen uns gegenseitig an. Berni und ich zerknirscht, unser Polizist zeigt ein zaghaftes Lächeln. Wir sind doch eigentlich sympathisch. Er reicht meinem Mann seinen Führerschein und räuspert sich: „In Zukunft langsamer und nach den Verkehrsregeln fahren, bitte!“, und gibt uns ein Zeichen, weiterzufahren. Wir können es fast nicht glauben.

Die Frage bleibt

Warum ließ er uns fahren? Wir wissen es nicht. Schließlich war der Polizist im Recht. Er hätte uns ebenfalls anbieten können, die Strafe jetzt gleich bei ihm zu bezahlen. Das Geld hätte er sich mit seinem Kollegen (im Wagen) teilen können, um ihr Gehalt aufzubessern. Es ist der 26. Dezember, ein verspätetes Weihnachtsgeschenk sozusagen. Und nein, dazu braucht man kein Internet. Ein Zettel mit der zu zahlenden Summe hätte genügt. Wie gesagt, man hört so einiges. Nichts von alledem geschieht. 
Mein Mann achtet seitdem auf die Stoppschilder. Geschwindigkeitsangaben, durchgezogene Linien oder gar doppelt durchgezogene Linien sind nach wie vor NUR Empfehlungen.