Von den Vereinigten Staaten bis nach Costa Rica sahen wir sie: die Pelikane. Wir beobachteten sie schon oft, aber eine Kolonie wie am Playa Juncalito fanden wir noch nie! Es ist schwer zu schätzen, wie viele Pelikane den seichten Strand vor unserem Postbus mit ihren Schnäbeln durchsieben. Dreihundert oder fünfhundert?
Das Bombengeschwader der Braunpelikane
Normalerweise stürzt sich ein Braunpelikan aus zehn bis zwanzig Metern senkrecht und kopfüber ins Wasser. Der Aufschlag klingt wie eine Wasserbombe: Platsch! Da sie in kleinen Formationen fliegen, hören wir nacheinander: Platsch … platsch … platsch!
Ihr Gewicht liegt zwischen drei und sieben Kilogramm. Den Aufprall hört man gut. Ihr langer Schnabel dient unseren Exemplaren als Kescher. Am Unterschnabel befindet sich nämlich eine ledrige, auffächerbare Haut. Sie kann bis zu 13 Liter Wasser aufnehmen. Das ist mehr als ein Zehn-Liter-Eimer! Anders als beim Kormoranen tauchen nur der Schnabel und der Hals ins Wasser. Ihr Gefieder bleibt mehr oder weniger trocken, aber aufgrund ihrer Körpermasse benötigten sie Gegenwind und den Einsatz ihrer Ruderfüße um sich wieder in die Luft zu erheben. Das geht aber nicht sofort! Es dauert etwa eine Minute, bis das Wasser aus dem Kescher-Schnabel ausgelaufen ist. Sonst wäre ein Startvorgang unmöglich.
Die Geselligkeit der Braunpelikane
Am Himmel sehen wir oft große Vögel, die in V-Formation fliegen, ähnlich den Gänsen. Das sind Pelikane. Sie nutzen geschickt die Thermik, um lange Strecken fliegen zu können (bis zu 500 km). Besiedeln sie eine Insel oder Klippen, stinkt es immer nach totem Fisch. Der Boden ist übersät mit großen, weißen Kotklecksen. Manchmal ist eine komplette Insel weiß! Meist überlebt nur ein Junges: Es gilt das Recht des Stärkeren im Nest! Das Küken, das den Schnabel am weitesten aufreißt, bekommt am meisten vom vorverdauten Fischbrei. Die Jungtiere sind leicht an ihrer kompletten braunen Färbung zu erkennen. Ausgewachsene Tiere erhalten eine weiße Haube und weißen Hals sowie einen hellen Bauch. Mit einer Länge von etwa 1,20 m und einer Spannweite von 2,5 m ist der Braunpelikan kein kleiner Vogel.
Die alternative Jagdmethode
Unsere Braunpelikane entwickelten offenbar eine alternative Jagdmethode. Warum sich anstrengen, wenn es auch einfacher geht? Bei sonnigem Wetter tummeln sich morgens und abends jede Menge Jungfische am sonnendurchfluteten Playa Juncalito. Die Pelikane arbeiten im Kollektiv und treiben in einer Hufeisenform die Fischschwärme auf den Strand zu. Aus der Luft sind letztere gut im Wasser zu erkennen. Nun müssen sie lediglich das Wasser mit ihrem eigenen Kescher durchsieben. Die Fische versuchen zu entkommen. Hunderte Pelikane sind sich gegenseitig im Weg. Das Meerwasser kocht!
Ab und zu gelingt es dem Fischschwarm, an einer undichten Stelle zu entweichen. Dann erheben sich etwa dreihundert Pelikane, um sie wieder zusammenzutreiben. Berni und ich fühlen uns wie in einer Fernsehdokumentation: nur live dabei!